Commodore Rolin

Sammlung:Andreas Guhr

Dieses Buch erschien 1934 bei Verlagsbuchhandlung Broschek&Co.,Hamburg Es hat 167 seiten und 48 Schwarzweiss Abbildungen. Nur über Antiquariat und Auktionen erhältlich.   

Commodore Rolin

Mein Leben auf dem Ozean-Fahrten und Abenteuer

Seeleute sprechen nicht gerne von Gefahren. Stumm und streng tun sie das Notwentige, das die Stunde von ihnen verlangt. Der ungeheure Ernst des Lebens, den sie täglich gegenüberstehen, verschließt ihnen den Mund. Nur wenn sie heimkommen, wenn der Lärm des Wetters weit hinter ihnen vergeht, läuft ihnen oft das Herz über und sie beginnen zu reden----aber von den heiteren Seiten ihres Kampfes mit dem Schicksal. Da war mitten im Nordweststurm die Lächerlichkeit irgendeines kleinen rettenden Zufalls, mitten im Untergang eine Harmlosigkeit, die dem Herzen wieder Hoffnung machte. Die große Schilderung des Schreckens stammen meistens nicht von denen, die weil sie täglich damit rechnen müssen, sich nicht von ihnen dürfen unterkriegen lassen, sondern von den anderen, die es innerlich gepackt und überwältigt hat. Wer darum die folgenden Seiten nachdenklich durchblättert und lesend miterlebt, wie sich von Episode zu Episode die Laufbahn eines großen Handelskapitän aufbaut und steigert, der darf nicht übersehen. daß hinter dem Schein von Heiterkeit um die vielen wechselnden Situationen, hinter dem gütig verstehenden Lächeln, mit dem das alles, von dem hohen Stuhl reicher Lebenserfahrung aus, erzählt ist, doch im Grunde ein großer und tiefer Ernst steht. Denn dieses Buch, voll der Begebenheiten eines langen Seemannslebens vom Schiffsjungen bis zum Commodore, schildert nicht mehr und nicht weniger als jenes große Stück der deutschen Schiffahrtsgeschichte, das aus den bescheidenen technischen und wirtschaftlichen Formen des beginnenden Kaiserreiches in unaufhörlichem Aufstieg hinüberführt über die Jahrhundertwende bis zu dem die ganze wirtschaftliche Welt umspannend mustergültigen Netz des deutschen Seeverkehrs, das erst die jäh hereinbrechende Gewalt des Krieges zerriß und beseitigte. Eine der größten Perioden der deutschen wirtschaftlichen und technischen Entwicklung wird dadurch wieder lebendig. Wir sehen noch im Geiste das stolze Bild der großen Segler, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts den eben erwachenden deutschen Welthandel über alle Meere trugen. Wir ahnen die wachsende Rivalität zwischen Segelschiff und Dampfer und erleben im Ablauf weniger Jahrzehnte die technische und organisatorische Vervollkommnung der deutschen Handelsflotte bis auf einen Stand, der sie der ganzen Welt vorbildlich werden ließ. Der große Krieg traf die deutsche Schiffahrt vernichtend. Die arbeitsame Unrast einer ganzen Generation verging. Die Meere wurden totenstill. Dieses Buch begleitet mit seinen Schilderungen die schweren Jahre der Seeblockade und gibt zum ersten Male ein packendes Bild der Empfindungen, mit denen deutsche Seeleute draußen, fern der Heimat, den Zerfall ihres großen Lebenswerkes haben miterleben müssen. Bis an den Rand der Hoffnungslosigkeit. Dann aber fährt wie ein befreiender Strahl die erste Nachricht vom Wiederaufbau deutscher Seegeltung in den tropisch stickige Atmosphäre des Wartens und des Zweifelns. Und wieder begleitet dieses Lebensbuch, mit seinem ständig wechselnden Einblick in den Alltag und Sonntag des Lebens an Bord, das unvergleichliche Werk des Wiederaufbaus der deutschen Handelsschiffahrt nach dem Kriege, sozusagen aus dem Nichts. Am Rande dieser größten aller Krisen, die die Schiffahrt aller seefahrttreibenden Nationen lähmt, legt der alte Commodore das Steuer seines Schiffes, legt er die Feder seines Buches aus der Hand. Es bleibt die Frage, mit welchen Kräften die deutsche Schiffahrt, vor allem in den Gestalten ihrer führenden Kapitäne, diesen gewaltigen Wechsel des nationalen Schicksals in vier Jahrzehnten durchgehalten und überwunden hat. Die von Commodore Rolin nach dem Kriege geführten beiden großen deutschen Cap-Dampfer waren, unter vielen anderen, Musterbeispiele dessen, was der deutsche Reeder an technischer Zuverlässigkeit und an organisatorischer Gewissenhaftigkeit leisten konnten. Diese Welt des deutschen Schiffes war kein äußerer Schein, sondern die solide Summe aller guten deutschen Eigenschaften. Wenn es hinausfuhr in fremde Häfen, an ferne Küsten, dann bleib es immer ein wertvolles Stück der Heimat, aber ausgestattet mit allen guten Fähigkeiten, sich in die Wünsche und Bedürfnisse der fremden Völker einzufühlen, denen es ebenso es dienen muß wie dem eigenen. Jede Seite dieses Lebensbuches läßt jene Eigenschaften der weltweiten Klugheit und der heimatlichen Verbundenheit erkennen, mit denen die großen deutsche Kapitäne draußen in der Welt als Pioniere des deutschen Gedankes, als Wegbereiter der deutschen Arbeit gewirkt haben. Unausgesprochen legt es davon Zeugnis ab, den älteren Lesern, die das alles miterlebt haben, zur stolzen Erinnerung, den jugendlichen, die nur vom Hörensagen wissen, zur unvergeßlichen Lehre.   

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